Parodontose
Was ist Parodontose?
Der Begriff Parodontose wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Zahnhalteapparates verwendet. Medizinisch ist dieser Ausdruck nicht korrekt, wenn damit die häufig vorkommenden entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates bezeichnet werden. Entzündungen enden auf –itis, sodass man bei einer oberflächlichen Zahnfleischentzündung von einer Gingivitis und bei einer tiefer gehenden Entzündung mit Schwund des Zahnhalteapparates von einer Parodontitis spricht. Solche Entzündungen werden durch Bakterien verursacht.
Unter der eigentlichen Parodontose oder Parodontosis ist medizinisch eine nichtentzündliche Zahnbetterkrankung zu verstehen, die vergleichsweise selten auftritt und nicht durch einen Bakterienbefall verursacht wird. Im Folgenden wird der Begriff Parodontose als Sammelbezeichnung verwendet, der die Krankheiten Gingivitis, Parodontitis und Parodontosis umfasst.
Der Zahnhalteapparat
Der Zahnhalteapparat wird als Parodontium bezeichnet und hat die Aufgabe, den Zahn im Kieferknochen zu verankern und in seiner korrekten Lage zu halten. Er besteht aus mehreren Komponenten, dem Zahnfleisch (Gingiva), stützenden Proteinfasern (Kollagenfasern), dem Zahnzement, der Wurzelhaut (Desmodont) und den Zahnfächern (Alveolen).
Volkskrankheit Parodontitis
Erkrankungen des Zahnhalteapparates und insbesondere die Parodontitis sind zu den Volkskrankheiten zu zählen, da nur etwa 10 -15 % der Bundesbürger ein vollkommen gesundes Zahnfleisch haben. In der Altersgruppe über 40 Jahre leiden etwa 20 % an einer schweren Parodontitis. Für einen Zahnverlust bei Menschen über 35 Jahre ist eine Parodontitis die häufigste Ursache. Sie ist zudem die häufigste Infektionskrankheit der Mundhöhle.
Symptome
Erkrankungen des Zahnhalteapparates bleiben oft von den Betroffenen unbemerkt, da der Verlauf der Erkrankung meist schmerzfrei ist. Wichtigstes Symptom einer Gingivitis ist das Zahnfleischbluten. Es tritt häufig bei einer Druckausübung auf das betroffene Zahnfleischareal, z.B. beim Zähneputzen, auf und zeigt eine bakterielle Entzündung an.
Eine Parodontitis ist gekennzeichnet durch den Schwund des Zahnhalteapparates. Dieser reicht vom Zahnfleischschwund bis zum Knochenschwund des Kieferknochens. Als Symptome können von Betroffenen neben dem erkennbaren Zahnfleischschwund eine Schmerzempfindlichkeit der Zähne und bei weiterem Fortschreiten der Krankheit eine Zahnlockerung bis hin zum Zahnverlust festgestellt werden. Auch Mundgeruch gilt als Symptom einer Parodontitis, da dieser durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien, die den Zahnhalteapparat befallen haben, hervorgerufen werden kann.
Eine Parodontosis ist ebenfalls gekennzeichnet durch Zahnfleisch- und Knochenschwund, schmerzempfindliche Zähne, Zahnlockerungen und Zahnverlust, wobei hier im Gegensatz zur Parodontitis keine Entzündung vorliegt. Besonders charakteristisch sind die langen, freiliegenden Zahnhälse.
Folgen
Eine Parodontitis kann ohne entsprechende Behandlung weitreichende Folgen haben. Die bakterielle Infektion des Zahnhalteapparates kann über die Blutbahn auf weitere Bereiche des Körpers übergreifen und dort Entzündungen verursachen. Dadurch steigert eine Parodontitis u. a. das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, hat negative Auswirkungen auf den Behandlungserfolg bei Diabetes mellitus vom Typ II und erhöht das Risiko einer Frühgeburt.
Lydia Köper